| Rotbuchenwälder haben in
Mitteleuropa weltweit ihre Hauptverbreitung. Schwerpunkte liegen in den Bundesländern
Hessen, Thüringen und Nordrhein-Westfalen (vergl. die Verbreitungskarte der
Buchenwälder in Europa). Buchenwälder sind hier ein vertrautes Bild. Buchen beherrschen
den Wald, so dass kaum einmal eine Eiche oder ein Ahorn zwischen ihnen
Platz findet.

Die meisten Buchenwälder haben so wenig
"Aufregendes" zu bieten, dass dieser Waldtyp hierzulande geradezu
unspektakulär erscheint. Aus Europäischer Sicht sind sie jedoch ebenso einzigartig
wie die Bergwälder der Alpen, die Steineichen-Wälder auf Korsika oder
das Wattenmeer. Deshalb gehören die naturnah verbliebenen Restbestände der Buchenwälder
zum bedeutungsvollen Naturerbe und wurden in die Liste schutzwürdiger Lebensräume
aufgenommen.
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Typischer Hainsimsen-Buchenwald,
Foto: H. Bach-Kolster

Zerfallsphase im Buchenwald,
Foto: H. Bach-Kolster
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Seit rund 5000 Jahren,
als Mensch und Buche nach der letzten Eiszeit etwa gleichzeitig nach
Nordrhein-Westfalen einwanderten, konkurrieren beide um das Dasein in unserem Land.
Würde der Mensch ihre Ausbreitung nicht durch die verschiedensten Nutzungsformen wie
Land- und Forstwirtschaft, Industrie und Siedlungen bis heute verhindern (siehe die
Karte der potentiellen natürlichen Waldlandschaften), würden Buchenwälder der
verschiedensten Ausprägungen Nordrhein-Westfalen großflächig bedecken. Der Mensch
hat diesen Wettstreit eindeutig für sich entschieden – Buchenwälder nehmen heute
nur noch rund fünf Prozent der Landesfläche ein. Deshalb hat Nordrhein-Westfalen,
wie Hessen und Thüringen, eine besondere Verantwortung für den Erhalt und die
Entwicklung dieser Lebensräume. Denn nur im Zentrum ihrer Verbreitung lassen sich die
Buchenwälder in ihrer ganzen Vielfalt sichern.
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Formenvielfalt der Buchenwälder
Das Spektrum der Buchenwälder ist vielfältig. Sehr deutlich
lassen sich die Buchenwälder auf sauren Böden von denen auf Kalkböden
unterscheiden.
Die Buchenwälder auf bodensauren Standorten, in der
FFH-Richtlinie als Hainsimsen- Buchenwälder geführt, können im Flachland
beispielsweise als Flattergras-Buchenwälder erscheinen und sind geprägt von Sauerklee
und Buschwindröschen. Auch die bodensauren Buchen-Eichenwälder des
Tieflandes gehören zu dieser Gruppe. Im Bergland zeigen die Buchenwälder dann ihre
wahre Vielfalt: etwa die bärlappreichen Buchenwälder in den Hochlagen des
Sauerlandes, grasreiche Varianten auf rutschenden Hängen, typische Bestände mit Hainsimsen
und Pillenseggen und Wälder mit flächendeckendem Drahtschmielen-Unterwuchs.
Hainsimsen-Buchenwälder sind in Nordrhein-Westfalen weit verbreitet (vergl.
die Karte der potentiellen natürlichen Waldlandschaften in NRW) und haben ihren
Verbreitungsschwerpunkt im südwestfälischen Bergland (Sauer- und Siegerland). Aber
auch im ostwestfälischen Hügelland mit Teutoburger Wald und Eggegebirge, auf den
Sandböden des Niederrheinischen Tieflandes und der Kölner Bucht sowie auf den
Rheinterrassen der Bereiche um Düsseldorf und Köln sind diese Wälder noch
großflächig zu finden (vergl. die Karte zur Verbreitung der FFH-Gebiete mit
Hainsimsen-Buchenwald).

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Hainsimsen-Buchenwald der Höhenlagen mit Bärlapp,
Foto: M. Woike

Die Bruchhauser Steine - Naturfelsen in
der Hainsimsen-Buchenwald-Landschaft,
Foto: H. Bach-Kolster

Waldmeister-Buchenwald im Frühjahr,
Foto: R. Brocksieper
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Einblütiges Perlgras - Charakterpflanze der Waldmeister-Buchenwälder, Foto: O.
Verbücheln |
Die Buchenwälder auf Kalkböden sind in
Nordrhein-Westfalen seltener als die Hainsimsen-Buchenwälder, weil die Fläche
kalkreicher Böden hier deutlich geringer ist als die saurer Böden. Zudem sind
Kalkböden in flacher Lage (zum Beispiel auf der Paderborner oder der Briloner
Hochfläche) hervorragende Ackerstandorte und deshalb in großen Teilen seit
Jahrhunderten landwirtschaftlich genutzt worden.
Die Kalkbuchenwälder gehören größtenteils zu den Waldmeister-Buchenwäldern.
Nur an den steilsten Hängen des Weserberglandes und einzelnen lokalklimatisch
besonders trockenen Bereichen des Teutoburger Waldes finden sich Orchideen-Buchenwälder.
Waldmeister-Buchenwälder sind
sehr artenreich, besonders an Frühjahrsblühern. Farnreiche Hangfüße gehen über in
frische Ausbildungen mit Hohlem Lerchensporn, Wald-Bingelkraut, Waldmeister
und Bärlauch. Auch der Waldgersten-Buchenwald auf trockenen Partien mit
Einblütigem Perlgras, Waldgerste, Gelbem Buschwindröschen, Frühlingsplatterbse
und Leberblümchen zählt noch zu diesem Lebensraumtyp.
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| Wo die Trockenheit die
Wuchshöhe und Vitalität der Buchen stark einschränkt macht der Orchideen-Buchenwald
seinem Namen alle Ehre. Hier finden sich Rotes, Weißes- und Langblättriges
Waldvögelein, Kleine Stendelwurz sowie die auffällig blühende Orchidee Frauenschuh. Daneben wachsen hier
unscheinbarere Vertreter wie Finger-Segge und Berg-Segge und zahllose
andere Arten trockener Standorte. Mit der Elsbeere und der Eibe finden
sich in diesen Wäldern auch besondere Baumarten.

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Frauenschuh - eine Charakterpflanze des wärmeliebenden
Waldmeister-Buchenwaldes,
Foto: M. Woike
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Schatthangwald, Foto: H. König
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Die Verbreitung der FFH-Gebiete mit den Kalk-Buchenwald-Typen
spiegelt einerseits die Lage der Kalkböden wieder, andererseits werden die
Waldlücken deutlich (siehe dazu die Verbreitungskarte der FFH-Gebiete mit
Waldmeister- und Orchideen-Kalk-Buchenwald).
Schluchtwälder und Hangmischwälder
sind den Buchenwäldern in ihrem Artenspektrum sehr ähnlich. Sie bedecken
kleinflächig die Talhänge in unseren Mittelgebirgen, inmitten der
Buchenwaldlandschaften.
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| Dabei zeichnen sich die Hangmischwälder
auf trockenen Standorten durch Sommerlinde und Bergulme aus, die
unter anderem mit Hainbuche und Spitzahorn die Baumschicht bilden. Diese
Wälder sind in Nordrhein-Westfalen ausgesprochen selten und finden sich
beispielsweise in den Naturschutzgebieten "Siebengebirge" (Rhein-Sieg-Kreis) und im "Kermeter"
(Kreis Euskirchen).

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Blühendes Silberblatt - Charakterpflanze der Schluchtwälder,
Foto: S. Woike
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| Weiter verbreitet als die
Hangwälder sind die schattigen Schluchtwälder. Sie sind in den Tälern
des Sauerlandes oft an quellig feuchten oder rutschig blockschuttreichen Hängen zu
finden. Instabilität und Feuchte des Bodens, oft aber auch Kaltluftlagen des höheren
Berglandes mit Spätfrösten bis in den Mai erschweren der Buche das Dasein, so
dass sie vor allem Bergahorn, aber auch Bergulme, Esche und Traubenkirsche
weichen muss. Charakteristische Arten der Krautschicht von Schluchtwäldern auf
silikatischen Verwitterungsböden sind das Wilde Silberblatt und die Breitblättrige
Glockenblume. Charakteristisch für Schluchtwälder in der
Kalkbuchenwald-Landschaft sind Hirschzunge und Dorniger Schildfarn. |

Natürlicher Fels im Rurtal, Foto: A. Pardey |